Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Steilvorlage für den Glauben

Logo http://wm2018.pro-medienmagazin.de/wm2018

Doch es gibt immer mehr Sportler, die finden: Pokale sind nicht alles. Es gibt einen, der trägt, ermutigt, vergibt.

Das Christliche Medienmagazin pro hat zusammengetragen, was Jürgen Klopp, Heiko Herrlich, Neymar, Wolfgang Overath und viele andere über Jesus zu haben sagen. Scrollen Sie sich durch oder springen Sie direkt zu den einzelnen Kapiteln!

Zum Anfang

„Er spielte ohne Tal und Fehdel.“
(Jochen Hageleit, Sportreporter)

Was zählt, ist auf'm Platz. Volle Konzentration, ganzer Einsatz, das Ziel vor Augen.

Was macht eigentlich stark, auch abseits des Platzes? David Alaba (Bayern München), Thilo Kehrer (U21-Kapitän) und Reinhard Grindel (DFB-Chef) erzählen, worauf es ankommt. Geheimtipp: Ingwer-Minz-Zitronentee – aber nicht nur. 

Zum Anfang

Als Österreichs Superstar David Alaba 2013 mit den Bayern die Champions League gewann, streifte er sich ein T-Shirt mit einem besonderen Aufdruck über: „Meine Kraft liegt in Jesus “. Häufig betont der 25-Jährige über seinen Glauben, etwa auf Instagram. „I‘m not lucky. I‘m BLESSED.", schreibt er im Mai neben ein Foto, das ihn auf einem Bild mit Jesus zeigt: „Ich habe nicht etwa Glück. Ich bin gesegnet.“


Zum Anfang

Wer ist Jesus für Sie?
Mein ständiger Begleiter. Ich spreche viel mit ihm und verbringe zu Hause bewusst sehr viel Zeit mit Gott. Ich habe immer so ein Gefühl, dass Gott irgendwie über mir schwebt und von oben auf mich herabschaut und mir meinen Weg weist.

Was gibt Ihnen Kraft?
Der Glaube und das Bewusstsein, dass Gott der Helfer an meiner Seite ist und ich mir keine Sorgen zu machen brauche oder unsicher sein muss. Denn nichts kann mich aufhalten mit Gott an meiner Seite. Übrigens habe ich auch ein Geheimnis, was mich körperlich stark macht: Ingwer-­Minz-Zitronen-Tee, mit Honig drin, das knallt voll rein! :-)

Ihr Lieblings-Bibelvers?
Gott ist mein Heil und mein Segen und meine Zuversicht. Der Fels meiner Stärke liegt in Gott! Psalm 72,7. Den Vers habe ich als Tattoo immer bei mir.

Zum Anfang
Schließen

pro: Sie waren lange Zeit selbst Journalist und haben unter anderem für das ZDF gearbeitet. Wenn Sie im Sommer nicht als DFB-Präsident, sondern als Journalist zur Fußball-WM nach Russland führen, welche Schwerpunkte würden Sie bei der Berichterstattung setzen?
Reinhard Grindel: Wenn ich Sportjournalist wäre, würde ich meine Themenschwerpunkte natürlich beim Fußball setzen. Da ich aber immer politischer Berichterstatter war, würde ich mich mit den Fragen beschäftigen: Was bringt eine solche Sport-Großveranstaltung der demokratischen Entwicklung eines Landes? Wie nachhaltig ist dies in einem Land wie Russland? Ich würde auch fragen, inwieweit digitale Medien heute dazu führen, dass bei der Begegnung jüngerer Fans Kontakte über das Turnier hinaus entstehen, die leichter durch diese Medien fortgeführt werden können. Und wie stark prägen digitale Medien die Information und die Diskussion in einem Land?

Immer wieder geraten russische Fußballfans wegen Homophobie oder Rassismus in die Schlagzeilen. Das Motto der FIFA lautet: „Sag Nein zum Rassismus.“ Warum findet die Weltmeisterschaft trotzdem in Russland statt?
Wir bewegen uns nicht im erfahrungslosen Raum. Im vergangenen Jahr sind die Fans während des Confed-Cups in Russland sehr fair mit allen Mannschaften umgegangen. Es hat, soweit mir bekannt, keine antisemitischen, fremdenfeindlichen oder menschenverachtenden Zwischenfälle gegeben, wie sie in der Vergangenheit zu beklagen waren. Das ist auch meine Erwartung an die Weltmeisterschaft, zumal die Fanszenen dann heterogener sein werden.

Sind konkrete Schritte zur Prävention geplant?
Das ist Aufgabe der Verbände, deren Fans vor Ort sein werden. Und natürlich des Ausrichters. Schon vor dem Confed-Cup wurde ein Gesetz in Russland verabschiedet, auf dessen Grundlage stärker gegen diskriminierende Zwischenfälle vorgegangen werden soll. Es gibt einen Antidiskriminierungsbeauftragten sowohl beim russischen Verband als auch bei der Regierung. Ich glaube, dass die Russen verstanden haben, dass Respekt, Toleranz und Fairplay während der WM gelebt werden müssen. Der DFB wird im Mai im Rahmen einer deutsch-russischen Fußballwoche eine ganze Reihe von Aktivitäten in Moskau und Wolgograd – darunter einen Fandialog und ein Spiel der U18-Nationalmannschaften – durchführen.

Es gibt Anschuldigungen gegen den russischen Verband, dass es ein von oben gelenktes Dopingsystem gäbe. Wie wichtig ist Ihnen ein sauberer und fairer Fußballsport?
Die Integrität des Wettbewerbs ist essentiell und eine der Voraussetzungen, ohne die man sich an einem Titelgewinn nicht freuen kann. Ich habe immer gegenüber Witali Mutko, dem mittlerweile zurückgetretenen Cheforganisator der WM, sowie dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino die Auffassung vertreten, dass es gut wäre, die Dopingkontrollen während der WM in Russland von unabhängiger Seite vornehmen zu lassen. Das heißt, der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur, Anm. d. Red.) zu sagen: Nennt uns eine Organisation, welche die Kontrollen durchführt, und sagt uns, in welchem WADA-lizensierten Institut die Kontrollen analysiert werden sollen. Das ist aber bisher nicht vorgesehen. Man vertraut dem FIFA- internen Kontrollsystem.

Zweifeln Sie daran?
Ich habe an der Integrität dieses Verfahrens keinen Zweifel, glaube aber, dass es die breite Öffentlichkeit stärker überzeugen würde, wenn das Dopingkontrollsystem völlig unabhängig durchgeführt würde. Generell vertraue ich darauf, dass die FIFA darauf achtet, dass derselbe Kontrollmaßstab wie während der WM 2014 in Brasilien angelegt wird. Beim Stichwort Fairness stellt sich auch die Frage nach dem neu eingeführten Videobeweis in der Bundesliga.

Wie sieht Ihre Bilanz nach der ersten Hinrunde mit dieser technischen Erweiterung aus?
Drei von vier Entscheidungen, die auf Grundlage der Erkenntnisse des Video-Assistenten getroffen wurden, waren korrekt. Das heißt: 75 Prozent der klaren Fehler hat der Video-Assistent erkannt und korrigiert. Die Maschine ist also zuverlässiger als der Mensch. Der Schiedsrichter hat die alleinige Entscheidungsgewalt. Wir wollen den Schiedsrichter auf dem Rasen stärken und ihn nicht schwächen, indem wir den Eindruck vermitteln, es gäbe jetzt eine Art Oberschiedsrichter. Wir alle kennen diese Situation, wenn der Schiedsrichter frisch geduscht aus seiner Kabine kommt und sagt: „Tut mir leid. Ich habe jetzt auch die Fernsehbilder gesehen, mir ist dort ein Fehler unterlaufen. Wenn ich das Bild gehabt hätte, hätte ich hundertprozentig anders entschieden.“ Diese Fälle soll der Video-Assistent künftig verhindern. Den Umgang mit der Technik müssen wir einheitlich umsetzen und ständig üben, wie zuletzt im Wintertrainingslager mit allen Schiedsrichtern. Der DFB hat im Jahr 2016 einen Umsatz von 300 Millionen Euro gemacht.

Inwiefern kommen Sie als Verband einer sozialen Verantwortung in der Gesellschaft nach?
Wir haben zunächst einmal unsere satzungsgemäßen Zwecke zu erfüllen. Zum einen ist das die Unterstützung unserer Fußballbasis, also die Talentförderung. Dafür geben wir jährlich zwischen 40 und 50 Millionen Euro aus. Darüber hinaus nehmen wir mit vielfältigen Maßnahmen unsere gesellschaftspolitische und soziale Verantwortung wahr, indem wir etwa Fanprojekte der Vereine unterstützen. Das alles ist Jugendsozialarbeit, weil wir dabei zum Beispiel Jugendliche in Ausbildungsstellen vermitteln oder ihnen in Krisensituationen helfen. Wir engagieren uns in der Flüchtlingshilfe und haben in dem Zusammenhang mittlerweile mehr als 3.000 Vereine über unsere Stiftungen mit finanziellen Zuwendungen unterstützt. An diesen Beispielen wird deutlich, wie wir Sponsoring-Einnahmen für gemeinnützige und satzungsgemäße Aufgaben verwenden. Das ist genau der richtige Weg.

Sie sind stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Robert-Enke-Stiftung, also derjenigen, die nach dem Suizid des Torwarts gegründet wurde und die Maßnahmen gegen Depressionen und Aufklärung über Kinder-Herzkrankheiten fördert. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?
Sie ist mir deshalb sehr wichtig, weil sie zeigt, wie nachhaltig wir im Fußball arbeiten. Gerade diese Nachhaltigkeit haben Kritiker zunächst angezweifelt. Mittlerweile gibt es die Stiftung nun aber bereits seit acht Jahren. Ich habe gerade erst wieder mit einem führenden Professor auf dem Gebiet der Depressionsforschung gesprochen. Wir haben über neue Projekte diskutiert, die mit den Mitteln der Robert-Enke-Stiftung angestoßen werden sollen. Was hat Robert Enkes Tod konkret ausgelöst? Dieses für uns alle so einschneidende Erlebnis hat das Thema Depression enttabuisiert und vom Rand der Gesellschaft in die Mitte gebracht. Den Menschen ist bewusst geworden: Wenn ein so erfolgreicher Spitzensportler von einer solchen Krankheit heimgesucht wird, dann kann es jeden treffen. Mit unserer Stiftung wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Hemmschwelle, in solchen Fällen Hilfe zu suchen, sinkt. Wir haben jetzt sogar eine Hilfe-App eingerichtet, weil es in diesen Situationen manchmal auf schnelle Hilfe ankommt.

Wie funktioniert diese Hilfe-App?
In einer ganz konkreten Krisensituation können Betroffene per App einen Alarm auslösen und sie bekommen sofort Hilfe. Zum einen können Freunde und Bekannte auf sie aufmerksam gemacht werden, und zum anderen stehen sofort Ärzte zur Verfügung.

Für einige Menschen ist auch ihr Glaube wichtig, gerade in Krisenzeiten. Inwiefern spielt in Ihrem Leben die Religion eine Rolle?
Ich bin katholisch. Für mich haben die Fragen nach den Grundlagen des menschlichen Lebens und die Frage, ob es noch etwas darüber hinaus gibt, immer eine Rolle gespielt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht regelmäßig in die Kirche gehe. Aber die christlichen Werte, insbesondere Menschenwürde, Toleranz, Respekt und Vielfalt als Einheit wahrzunehmen – das ist mir wichtig. Sie schätzen also religiöse Werte im Alltag. Wir waren im November 2016 mit der Nationalmannschaft beim Papst im Vatikan. Ich habe das als große Ehre empfunden. Ich konnte dem Papst ein wenig von unserem gesellschaftlichen Engagement vortragen. Da stellt sich ganz praktisch die Frage nach den christlichen Grundsätzen: Wie gehe ich mit den Menschen um? Der Mensch mit allen seinen Talenten und Fähigkeiten, aber auch Fehlern: Nehme ich jeden so an, wie er ist? Gebe ich ihm im Verein zum Beispiel ein Stück Heimat? Wir geraten doch in einer digital geprägten Gesellschaft immer mehr in die Gefahr der Vereinzelung, jeder ist zunehmend mit sich und seinem Handy allein. Wo sind noch Orte, an denen Menschen sinnlich und wahrnehmbar zusammengeführt werden? Der Fußballverein ist immer noch so ein Netzwerk. Es gibt für Flüchtlinge die Möglichkeit der Integration, wenn diese im Verein eine neue Heimat finden. Oder wenn frühere Strafgefangene, die ihren Schiedsrichterschein im Gefängnis gemacht haben, durch ein DFB-Projekt zurück in den Sportverein und damit in die Gesellschaft finden.

Welche Bedeutung hat für Sie Jesus Christus?
Ich bete nicht zu ihm vor wichtigen Spielen. Ich versuche, für mich selbst einen Weg zu finden, durch den manchmal nicht so einfachen Alltag zu kommen, sodass ich am Ende aber sagen kann: Du bist anständig mit dir und deiner Umwelt umgegangen, du kannst dein Handeln auch unter ethischen Gesichtspunkten vertreten. Ich bitte ab und an für mich persönlich um Kraft. Ich hoffe, die Kraft zu bekommen, um die Aufgaben zu erfüllen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Apropos ethische Gesichtspunkte: Der ehemalige Bundesaußenminister und Leiter der DFB-Ethik-Kommission, Klaus Kinkel (FDP), bemängelte in seinem Jahresbericht, dass dem Verband ein Aufsichtsgremium fehle.
Ist der DFB strukturell noch zeitgemäß aufgestellt? Wir haben schon heute eine sogenannte Revisionsstelle, die über alle finanziellen Aktivitäten des DFB wacht. Aber diese Stelle ist besetzt mit Persönlichkeiten des DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Klaus Kinkel geht es vor allem darum, dass es zukünftig völlig unabhängige Experten gibt, die hohes Finanzwissen haben, aber nicht persönlich im DFB oder in der DFL tätig sind. Das wird jetzt in einer Kommission beraten.

Wie sehr beschäftigen Sie aktuell noch die Vorwürfe gegenüber dem DFB hinsichtlich der Vergabe der Fußball-WM 2006?
Das beschäftigt uns unter anderem auch deshalb noch stark, weil Verfahren der Staatsanwaltschaft laufen und das Finanzamt Geld von uns fordert. Es ist der Auffassung, dass diese Zahlung von 6,7 Millionen Euro eben nicht als Betriebsausgabe einzustufen war. Deswegen sehen wir uns mit erheblichen Steuernachzahlungen konfrontiert. Dem sind wir unter Vorbehalt nachgekommen und beschreiten dagegen den Rechtsweg.

Welche Rolle spielen dabei für Sie die Medien?
Es wäre schön, wenn wir der Wahrheit näherkämen, was mit dem Geld gemacht wurde. Das können uns nur die sagen, die das Geld bekommen haben. Wir hoffen, dass die staatsanwaltlichen Ermittlungen neue Erkenntnisse zutage fördern. In der Öffentlichkeit wird manchmal der Eindruck erweckt, als gäbe es immer wieder neue Probleme, mit denen der DFB zu tun hat. Das ist nicht der Fall. Es sind stets Sachverhalte, die weit in der Vergangenheit liegen. Wir können nur die notwendigen Konsequenzen ziehen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann. Und wir wären dankbar, wenn wir irgendwann Rechtssicherheit hätten.

Wie stellen Sie bei der Bewerbung für die Fußball-EM 2024 sicher, dass es zu keinen dubiosen Zahlungen kommen kann?
Wir haben zahlreiche Maßnahmen getroffen, etwa Änderungen in unserer Satzung und der Organisationsstruktur unseres Verbandes durch die Einführung eines Compliance Management Systems und der Ethik-Kommission. Auf dem Weg zur EM 2024 können wir nachweisen, wie man einen rundum anständigen Bewerbungsprozess durchführen kann.

Ein Fußballer wie Cristiano Ronaldo verdient im Jahr inklusive Werbeeinnahmen über 80 Millionen Euro. Der Fußball ist ein gigantisches Geschäft geworden. Für wie moralisch halten Sie die Gehälter, die im Fußball gezahlt werden?
Ich kann verstehen, warum sich ein Vereinsvorsteher angesichts dieser Summen genau das fragt, wenn er auf seinen stark renovierungsbedürftigen Fußballplatz schaut. Auf der anderen Seite muss man eine Entwicklung sehen, die viele nicht erkennen: Wenn heute ein Spieler den Verein wechselt, darf man nicht nur seine sportliche Qualität sehen, sondern auch, was er für eine wirtschaftliche Kraft mitbringt.

Wie meinen Sie das?
Jemand wie Ronaldo hat mehr als 300 Millionen Follower bei Facebook, Instagram und Twitter. Wenn heute ein großer Sportartikelhersteller ein neues Trikot oder einen neuen Schuh auf den Markt bringt, dann wirbt er dafür nicht mehr mit Zeitungsanzeigen. Dann kauft der Hersteller Beiträge in Sozialen Medien oder hat durch Werbeverträge mit den Vereinen das Recht, auf diesen Verbreitungskanälen des Spielers seine Produkte zu präsentieren. Das heißt: Jemand wie Ronaldo postet sein neues Trikot genau in die richtigen Zielmärkte. Sie müssten viel Geld aufwenden, um mit Zeitungswerbung und TV-Spots diese Werbewirkung zu erzielen. Diese digitalen Verbreitungswege haben dem Einzelnen eine ganz andere wirtschaftliche Bedeutung gegeben. Ob das Ablösesummen von 222 Millionen Euro und die hohen Spielergehälter rechtfertigt, da habe ich auch meine Zweifel. Dass man aber heute über die sportliche Bedeutung hinaus auch die wirtschaftliche Seite sehen muss, das halte ich für richtig.

Halten Sie diese Entwicklung für gefährlich?
Wenn finanzielle Möglichkeiten von außen den Wettbewerb so stark beeinflussen, dass Vereine aus mittleren und kleineren Verbänden keine Möglichkeit mehr haben, große Pokale zu gewinnen, muss die Frage nach fairen Rahmenbedingungen gestellt werden. Es müsste theoretisch auch für Vereine wie Ajax Amsterdam oder Celtic Glasgow möglich sein, die Champions League zu gewinnen. Der DFB und ich in meiner Funktion als UEFA-Vizepräsident beschäftigen uns mit dieser Problematik. Wir müssen auf der europäischen Ebene an der einen oder anderen Stelle über andere Regelungen sprechen. Aber wir müssen auch immer betrachten, ob das in Zeiten eines EU-Binnenmarktes und der Arbeiternehmerfreizügigkeit möglich ist. Es ist sicher berechtigt, über das Thema Gehaltsobergrenzen, Kaderreduzierung und eine striktere Anwendung des Financial Fairplay zu diskutieren. Aber ich rate sehr dazu, um nicht falsche Erwartungen bei den Fans zu wecken, bei der EU-Kommission nachzufragen, welche Spielräume wir nach dem EU-Recht überhaupt haben. Es bringt nichts, Regeln aufzustellen, die dann vom Europäischen Gerichtshof wieder aufgehoben werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Anfang

„Ein Trainer is nich ein Idiot. Ein Trainer seh, was passieren in Platz. In diese Spiel, es waren zwei, drei diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer!“
(Giovanni Trappatoni, Trainerlegende)

Fußball ist ein irres Geschäft. Fast eine viertel Milliarde Euro bezahlte Paris Saint-Germain für Neymar. Ferraris und Lamborghinis gehören zu den Topspielern wie das Bier zum Fanblock.

Doch immer mehr Profis bekennen öffentlich, dass es etwas gibt, das ihnen wichtiger ist als Reichtum und Erfolg. Zum Beispiel: Neymar (Brasilien), Jürgen Klopp (FC Liverpool) und Heiko Herrlich (Bayer Leverkusen).

Zum Anfang

222.000.000 Euro.

Als Neymar 2017 zu Paris Saint-Germain wechselte, war das der teuerste Transfer der Fußballgeschichte. Preisschilder für den Wert eines Spielers – im knallharten Fußballgeschäft ist das schon lange die Regel.

Der 26 Jahre alte Brasilianer hat schon zahlreiche internationale Turniere gewonnen: Die Champions League mit dem FC Barcelona, den Confed Cup, und olympisches Gold.

Seit Jugendtagen begleitet ihn ein Stirnband. „100 Prozent Jesus“ steht darauf, oft trägt Neymar es nach gewonnenen Endspielen. Ein Zeichen der Demut im Moment des größten Erfolgs.

Der Chefetage der Seleção gefällt das nicht: Religiöse Bekenntnisse sind für die WM verboten. Ob Neymar sich daran hält?

Zum Anfang

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus der DVD „Und vorne hilft der liebe Gott“ mit Jürgen Klopp, David Alaba, Heiko Herrlich und anderen | undvornehilftderliebegott.de

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang

pro: Wie hilft Ihnen der christliche Glaube bei der täglichen Arbeit?
Heiko Herrlich: Mein Glaube hilft mir nicht nur im beruflichen Alltag, der ja nur einen Teil, wenn auch einen bedeutenden, meines Lebens darstellt. Ich will damit sagen, dass ich daraus Kraft schöpfe in allen Lebenslagen. Im Privaten, im Job. Der Glaube ist mein Mittelpunkt, ich habe mich immer geborgen gefühlt im und durch mein Gottvertrauen.

In welchen Momenten des

Lebens spüren Sie Gott am stärksten?
In den Momenten, in denen Gott mich Dankbarkeit und Demut empfinden lässt.

Wie sind Sie mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen? Haben Ihre Eltern Sie mit in die Kirche genommen?
Ja, das haben sie. Doch unabhängig davon hatte ich bereits als Kind eine Beziehung zu Gott entwickelt. Wenn ich zum Beispiel mal unter Bauchschmerzen litt, dann habe ich ihn immer gebeten, mir zu helfen und sie von mir zu nehmen. Irgendwie hatte ich da schon das Gefühl, dass da jemand ist, der auf mich achtet.

Wie hat sich Ihre Beziehung zu Jesus Christus über die Jahre entwickelt?

„Jesus liebt dich“ – diesen Satz sage ich gerne jungen Menschen beispiels-
weise zur Konfirmation. Und zwar deshalb, weil ich es für mich selbst so empfinde. Es gab Phasen, da habe ich mich zu meinem Glauben überhaupt nicht geäußert. Ich empfand das als meine Privatsache. Es gab aber auch Situationen, in denen ich das Verlangen hatte, meinen Glauben zu teilen, ihn weiterzugeben.

Sie meinen damit auch Ihre erfolgreich bekämpfte Hirntumor-Erkrankung im Jahr 2000. Können Sie schildern, wie Ihnen Ihr Glaube damals geholfen hat?
Genau das war solch eine Situation, von der ich gerade gesprochen habe. Während beziehungsweise nach meiner Hirntumor-Erkrankung wollte ich das Glück, das ich empfunden habe, weitergeben: die Erfahrung, dass man getragen wird. Natürlich habe ich Gott damals auch gefragt: Warum muss ich das jetzt ertragen? Tief in mir hatte ich dennoch ein unerschöpfliches Gottvertrauen. Ich glaube, dass alles so seine Richtigkeit hat. Ich zitiere diesbezüglich gerne die Bibel. Im Buch der Sprüche heißt es: „Verlasse dich von ganzem Herzen auf den Herrn und verlasse dich nicht auf deinen Verstand, so wird er deinen Weg dir rechtens zeigen.“

Trainer sind im besten Fall auch echte Vorbilder für junge Fußballspieler. Sie können beispielsweise Orientierung bieten. Inwiefern spielt die Bibel bei Ihren Ratschlägen an die Nachwuchskicker eine Rolle?
In diesem Zusammenhang möchte ich die Leute, auch meine Spieler, nicht überfordern. Aber ich zitiere immer wieder mal aus der Bibel. Gerade wenn es Spannungen innerhalb der Mannschaft gibt. Da kann man wunderbar die Bibel zurate ziehen und es gibt einige passende Textpassagen. Ich kann mich an eine Situation in Regensburg erinnern. Dort hat sich ein Spieler klar im Ton vergriffen. Alle haben auf mich geschaut und eine Reaktion erwartet. Ich habe ihnen ein Gleichnis aus dem Johannes-Evangelium vorgetragen: „Eine Ehebrecherin sollte gesteinigt werden. Jesus kommt dazu. Die Leute sagen zu ihm: Die Frau hat die Ehe gebrochen, sie muss gesteinigt werden; was sollen wir tun? Jesus sagt: Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein werfen. Nach und nach gehen alle weg, die Alten zuerst.“ Mich beeindruckt diese Geschichte sehr. Gerade die Alten wissen: Wir haben in unserem Leben selbst genug Fehler gemacht. Auch wenn die Sünde noch so groß ist: Es geht immer wieder darum, zu vergeben. Wir dürfen uns nicht zum Richter machen, sondern sollten immer wieder aufeinander zugehen und verzeihen.

 Sie haben sich gewünscht, dass der Glaube vieler Fußballer auf die Gesellschaft überschwappt. Was müssen christliche Fußballer dafür tun?
Zu meiner aktiven Zeit als Profifußballer galt man eher als Exot, wenn man sich öffentlich zu seinem Glauben bekannt hat. Das waren einige wenige wie Jorginho, Wynton Rufer oder Rune Bratseth. Ich habe das auch getan, aber manchmal fiel es mir durchaus auch schwer, da habe ich mich ein bisschen unwohl gefühlt. Heute ist das ganz anders. Zum einen bei mir selbst, denn mein Glaube gehört zu mir, er gibt mir Halt, er hilft mir. Zum anderen gibt es viele junge Spieler, die ganz offen zu ihrem Glauben stehen. Mit diesen Spielern rede ich häufig darüber, und sie mit mir. Wenn ein Spieler diesen Impuls in sich trägt, dann bestärke ich ihn gerne darin. Aber ich sehe für die jungen Fußballer keine Verpflichtung, ihren Glauben öffentlich zu machen. Wenn sie es wollen, ist es gut.

Danke für das Gespräch!

Zum Anfang

„Da muss dann auch mal einer die Hand ins Heft nehmen.“
(Thomas Helmer, Spieler des FC Bayern München)

Wer Großes geleistet hat, kann auch viel geben. Wolfgang Overath, WM-Held von 1974, hilft Bedürftigen. Nürnbergs Aufstiegstrainer Michael Köllner berichtet, wie Jesus ihn inspiriert – und Ottmar Hitzfeld (langjähriger Trainer) erklärt, wie ihn der Glaube an Gott Gerechtigkeitssinn verleiht. 

Zum Anfang

Erst kürzlich besuchte ich Wolfgang Overath, den Fußball-Weltmeister von 1974 und zeitweiligen Präsidenten des 1. FC Köln, in seiner Heimatstadt Siegburg. Der 74-jährige Geschäftsmann hat immer noch die gleiche Figur wie in seinen besten Jahren und spielt immer noch Fußball – in der Halle. Als gläubiger Katholik begeistert er sich für Jesus, mit dem er die Liebe für hilfsbedürftige Menschen teilt.
Früh übt sich, was ein Meister werden will. Als Zwölfjähriger spielte Wolfgang Overath schon in der Schüler-Nationalmannschaft im Londoner Wembley-Stadion vor 100.000 Zuschauern. Wie verkraftete ein Kölner Junge so viel Fußballruhm?

„Damals habe ich mir nicht eingebildet, die 100.000 Menschen seien meinetwegen gekommen. Natürlich war die Atmosphäre im Stadion für mich beeindruckend. Trotzdem habe ich meine Fähigkeiten nicht überschätzt. Es war schön, vor so vielen Menschen zu spielen. Drei Wochen später haben wir das Rückspiel gegen England in Essen vor 30.000 Zuschauern mit 4 : 1 gewonnen.

In der Sportpresse hob man meine spielerischen Qualitäten heraus und prophezeite mir eine hoffnungsvolle Karriere. Solche Zeitungen habe ich natürlich gekauft und mit Stolz gelesen. Aber ich blieb auf dem Boden der Wirklichkeit.“ Das Erfolgsrad drehte sich immer schneller. Obwohl nicht gerade der körperlich Stärkste und Größte, wurde Overath von dem Jugendfußball-Betreuer Dettmar Cramer in den europäischen UEFA-Turnieren eingesetzt, wo er als 16-Jähriger gegen 18-Jährige zu kämpfen hatte.

Cramer wollte mit ihm wahrscheinlich beweisen, dass in Deutschland nicht nur Kraftfußball gespielt wird. Ein Jahr später unterschrieb Overath einen Vertrag beim 1. FC Köln, und mit 18 Jahren holte ihn der damalige Bundestrainer Sepp Herberger in die deutsche Nationalelf.

„Meine Eltern waren einfache Leute“

 „Als Jugendlicher besuchte ich das altsprachliche Gymnasium in meiner Heimatstadt Siegburg am Rhein“, berichtete Overath. „Bis zur Mittleren Reife hatte ich keine schulischen Probleme. Danach wurde es schwieriger wegen der vielen sportlichen Turniere, für die ich nicht immer freigestellt wurde. Ich begann eine kaufmännische Lehre, die ich mit gutem Erfolg abschloss, obwohl ich in dieser Zeit schon einen Profivertrag unterschrieben hatte. Ich habe damals gut verdient. Man muss natürlich alles in Relation setzen. Wenn ich vom 1. FC Köln ein Handgeld von 20.000 Mark bekam, wären das heute ungefähr 200.000 Euro. Ich bin in Köln mit meinem Verdienst immer zufrieden gewesen. Natürlich hätte ich in Spanien oder Italien mehr Geld verdienen können. Ein Angebot lag aus fast jedem europäischen Land vor. Aber besonders meine Frau und ich lieben das Rheinland, und ich wäre nur weggegangen, wenn der 1. FC Köln abgestiegen wäre.“

Wer sich in seiner Heimat wohlfühlt und Wurzeln geschlagen hat, kommt fast immer aus einem harmonischen Elternhaus. Wie war das bei Wolfgang Overath?„Meine Eltern waren einfache Leute, die sehr stolz auf ihre Kinder waren. Ihnen widmeten sie ihre Kraft, ihre Zeit und ihre Liebe. Mein Vater war Büroangestellter, sehr fleißig und sozial eingestellt. Meine Mutter war ein herzensguter Mensch, sie strahlte viel Liebe aus und war nie ungerecht. Leider ist sie mit 55 Jahren gestorben. Die Frage, warum Gott das zugelassen hat, ist mir eigentlich nie gekommen. Es wird wohl da oben jemand sein, der besser zu urteilen weiß als ich. Damals war ich 15 Jahre alt und schon tief im christlichen Glauben verwurzelt. Deshalb hätte mich dieser Zweifel nie aus der Bahn geworfen.“

Das Glück mit anderen teilen

Es gibt Menschen, die nicht verstehen können, warum ein wohlhabender und angesehener Mann auf Gott vertraut. Overath hat eine glückliche Familie, besitzt viele Immobilien. Hat er Gott überhaupt nötig? „Man kann das Verhältnis zu materiellen Gütern nicht mit der Beziehung zu Gott vergleichen. Ich finde es schön, wenn man sich durch Fleiß ein gewisses Vermögen erworben hat. Es befriedigt mich und macht mich ein wenig stolz. Aber das materielle Glück währt doch nur einen Augenblick; es ist heute da und kann morgen vorbei sein. Für mich ist der Glaube an Gott nicht in fünf Jahren zu Ende. Das Gottvertrauen gibt mir vielmehr die Gewissheit, dass meine Verbindung zu Gott nicht abreißt, auch wenn das Leben auf dieser Welt aufhört. Dieses Leben ist für mich die Vorstufe des ewigen Lebens. Ich bewundere jene Menschen, für die materielle Dinge ganz unwichtig sind und die nur für Gott und andere Menschen leben wie zum Beispiel Mutter Teresa. So weit bin ich jedoch nicht. Ich freue mich, wenn ich ein schönes Auto fahre, schöne Kleider habe oder in einem schönen Haus wohne.“

Ich erzählte ihm von meinem Besuch bei Mutter Teresa kurz vor ihrem Tod in Kalkutta, und dass sie materiell vermögenden Leuten Mut machen würde, weiterhin viel Geld zu verdienen. Sie begründete dies damit, dass sie mit ihrer Arbeit unter den Ärmsten der Armen auf die Spenden der reichen Leute angewiesen sei. „Können die karitativen Hilfswerke auch mit Ihren Spenden rechnen?“, fragte ich den ehemaligen Fußballprofi. „Meine Frau Karin und ich versuchen, das Glück, das uns zuteil geworden ist, mit anderen zu teilen“, antwortete mir der fast 75-Jährige. Er gründete vor 20 Jahren einen Fond für Hilfsbedürftige. Seitdem kamen über eine Million Euro für Menschen in Not zusammen, die mit Unterstützung des „Katholischen Vereins für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis“ verteilt werden.

Jedes Jahr lädt das Ehepaar Overath 150 Obdachlose und bedürftige Menschen, darunter auch Kinder, zu einer Weihnachtsfeier mit Essen ein, bei der auch Geschenke verteilt werden. In diesem Zusammenhang fielen mir Worte aus dem Matthäusevangelium ein, als Jesus in seiner Rede über das Weltgericht unter anderem sagt: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist … Was ihr einem unter diesen meinen Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“

Jesus und die Kirche

Ich wollte wissen, was Overath der Glaube an Jesus Christus bedeutet. „Jesus ist für mich der entscheidende Punkt, auf den es im Leben ankommt. Meine Glaubenserfahrung versichert mir, dass Jesus nicht nur ein guter Mensch gewesen ist, sondern auch Gottes Sohn, mein Erlöser. Verstandesmäßig kann ich das nicht beweisen. Wenn ich es könnte, brauchte ich es nicht mehr zu glauben. Für mich ist er die Wahrheit in Person. Sein Leben möchte ich auf mich wirken lassen, auch wenn ich seine Lebensund Glaubenshaltung nie erreichen werde. Wie oft passiert es mir, dass ich vor schwierigen Situationen stehe, sei es im Sport, in der Familie oder im Geschäft. Dann kann ich nur Jesus um seine Hilfe bitten. Und wie oft durfte ich erfahren, dass er mir half, Klippen zu umschiffen. Und wenn es mir misslang, habe ich trotzdem nicht an ihm gezweifelt. Mit ihm stehe ich immer auf der Seite des Gewinners.“

Overath ist Katholik. Praktiziert er seinen Glauben auch dementsprechend? „Es wäre für mich unvorstellbar, der Kirche den Rücken zu kehren, um mehrere tausend Euro Kirchensteuer zu sparen. Ich käme mir vor wie ein Verräter. Ich lese regelmäßig in der Bibel, die für mich ein faszinierendes Buch ist. Dieselbe Regel gilt auch für das Gebet. Es ist wunderbar, täglich zu beten und nicht nur sonntags in der Kirche. Durch den Kirchgang verstärke ich meinen Kontakt zu Gott und möchte auch vor anderen Menschen bekennen: „Ich gehöre zu dir.“

Dieser Text erschien zuerst in: Günther Klempnauer: „Keiner kommt an Gott vorbei. Fußball-Legenden über Glaube, Liebe, Hoffnung“, St. Benno Verlag, 232 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 9783746251752




Zum Anfang
0:00
/
0:00
Audio jetzt starten
Zum Anfang

Den von den Massenmedien zum „Hohepriester der Weltreligion Fußball“ ernannten erfolgreichsten Bundesligatrainer lernte ich in Dortmund kennen. – Vor jedem Spiel von Borussia Dortmund begrüßten ihn die 60.000 Zuschauer im Stadion: „Ottmar Hitzfeld, der beste Mann der Welt.“

Als erfolgreichstem Bundesligatrainer aller Zeiten wurde Ottmar Hitzfeld 2010 der „Ehrenpreis der Bundesliga“ verliehen. Sechsmal wurde er in Deutschland zum „Fußballtrainer des Jahres“ gewählt. Hitzfeld holte zahlreiche Titel: Er war von 1991 bis 1997 Trainer von Borussia Dortmund und gewann mit den Schwarz-Gelben zweimal die Deutsche Meisterschaft (1995, 1996) sowie die Champions League (1997). Auch den FC Bayern trainierte der Schweizer – von 1998 bis 2004 und von 2007 bis 2008. Hitzfeld gewann mit Bayern fünfmal die Meisterschaft, dreimal den DFB-Pokal und 2001 erneut die Champions League. Die Schweiz führte er als Nationaltrainer später zweimal zur Fußballweltmeisterschaft.

Auch international fehlt es Hitzfeld nicht an Ehrungen: UEFA-Trainer des Jahres (2001), zweimaliger Weltclubtrainer (1997, 2001), Welttrainer des Jahres (1997). Von 2008 bis 2017 war Hitzfeld als TV-Experte bei dem Bezahlfernsehsender Sky unter Vertrag.

Heute lebt er zusammen mit seiner Frau Beatrix in seiner Heimatstadt Lörrach. Seit Oktober 2016 ist Ottmar Hitzfeld Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die soziale Projekte in aller Welt unterstützt.

Als Hitzfeld mit Borussia Dortmund (und danach auch mit Bayern München) zum ersten Mal Deutscher Meister wurde, verlor er einen kurzen Augenblick am Spielfeldrand seine Fassung und weinte. „Es waren Freudentränen“, erklärte er. „Ich war total gerührt. Ein ganzes Jahr lang hatte ich dieses Traumziel vor Augen und mit allen Fasern meines Körpers und Herzens darauf hingearbeitet und keinen Kraftaufwand gescheut. Und wenn dann das Wunschziel erreicht ist, kann man es kaum fassen. Es war für mich wie ein Rausch, dem allerdings eine innere Leere folgte. Ich war total in mich gekehrt, ausgelaugt und wie tot.“

Ich zitierte den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer, der einmal gesagt hat, es gäbe zwei Tragödien im Leben eines Menschen. Die erste Tragödie bestehe darin, dass Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Die zweite Tragödie sei wesentlich schlimmer, wenn nämlich der sehnliche Wunsch erfüllt würde und man erkennen müsse, dass dieses Glück nur einer schillernden Seifenblase gleicht, die wieder zerplatzt. Jedes noch so hochgespannte menschliche Ziel hinterlasse langfristig ein schales Gefühl, sobald es erreicht sei.

Hitzfeld: „Menschen stehen in der Gefahr, sich Illusionen hinzugeben, in Visionen zu schwelgen, die wirklichkeitsfremd sind. Dann bleiben Enttäuschungen nicht aus. Aber der Mensch lebt davon, dass er sich immer wieder neue Ziele setzt und sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht. Stillstand bedeutet Rückschritt. Ich möchte ziel- und zukunftsorientiert leben.“

Jesus als Zielorientierung

 Der Apostel Paulus schrieb vor 2000 Jahren an die christliche Gemeinde in Philippi: „Ich bilde mir nicht ein, dass ich das Ziel schon erreicht habe. Aber ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das neue Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.“ Ich wollte wissen, ob Ottmar Hitzfeld Paulus zustimmen könne, wenn er sich an Jesus Christus orientiert. Er gab zu, dass er darüber noch nie öffentlich gesprochen habe. Aber: „Jesus hat für mich eine wichtige Vorbildfunktion. Er ist den geradlinigen Weg gegangen und hat nie versucht, auf krummen Wegen sein Ziel zu erreichen. Offenheit und Gerechtigkeit zeichneten ihn aus. So möchte ich auch leben.“

Ich fragte ihn, worin er den Sinn seines Lebens sehe. „Meine Chance nutzen, das Beste aus meinem Leben zu machen und die Herausforderungen des Lebens mit seinen Höhen und Tiefen anzunehmen. Dabei muss ich bereit sein, über meinen eigenen Schatten zu springen. Bis zu meinem 26. Lebensjahr wohnte ich zu Hause bei meinen Eltern, weil ich schreckliches Heimweh hatte. Als Fußballprofi musste ich oft meinen Wohnsitz wechseln. Von Lörrach über Stuttgart, Lugano, Luzern bis nach Dortmund, wo ich noch ein halbes Jahr lang Heimweh hatte. Trotzdem habe ich diese Aufgaben als Herausforderung und Horizonterweiterung wahrgenommen. Es war jedes Mal eine schwere Prüfung. Aber ich wusste auch, dass ein anderer hinter mir stehen würde, der den Lebenslauf auf sich genommen hat. Er ist nicht den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und doch ans Ziel gekommen. Der Gekreuzigte ist auferstanden. Das ist mein großes Vorbild, und darum gehe ich auch nicht den bequemen Weg. Je älter ich werde (Hitzfeld ist Jahrgang 1949), desto mehr erkenne ich, wie kurz dieses Leben ist. Deshalb möchte ich nicht in den Tag hineinleben, sondern die mir geschenkte Zeit sinnvoll ausnutzen. Wenn Lebensbilanz gezogen wird, möchte ich als Trainer nicht nur gewonnene Spiele und Pokale aufzuweisen haben, sondern vor allem zufriedene Spieler hinterlassen, die sich gern an mich erinnern; denn durch Gerechtigkeitssinn und Wahrheitsliebe möchte ich eine menschenfreundliche Atmosphäre schaffen.“

Das Gebet als Ruhepol

Spielern und Sportjournalisten ist es gelegentlich rätselhaft, woher Hitzfeld seine konstante Zufriedenheit nimmt, mir auch. Ich hakte nach. „Ich habe eine positive Einstellung zum Leben. Vor dem Einschlafen mache ich mir bewusst, dass der nächste Tag super laufen wird, auch wenn schwierige Verhandlungen und unlösbare Probleme auf mich warten. Ich bete morgens, auch tagsüber und abends, an guten und an schlechten Tagen. Wenn mich nachts die Sorgen nicht schlafen lassen, überkommt mich beim Beten eine wunderbare Ruhe, aus der ich neue Kraft für den kommenden Tag schöpfe. Ich weiß, da steht einer hinter mir, auf den ich mich verlassen kann. Deshalb kann ich auch ohne Angst den Bundesligastress ertragen.“

Einige Zeit vor diesem Interview musste sich Hitzfeld urplötzlich einer zweiwöchigen Krankenhausbehandlung unterziehen. Ich fragte ihn zum Schluss, woran ein Erfolgstrainer in solchen Schreckmomenten denkt. „Als ich im Krankenhaus lag, war die Fußball-Bundesliga in weite Ferne gerückt. Meine Gedanken kreisten um meine Frau Beatrix und meinen Sohn Matthias, um Gott und die Zukunft. Mir wurde wieder bewusst, dass Schicksalsschläge zu meinem Leben gehören. Schwere Prüfungen müssen durchlebt und bestanden werden. Dieses irdische Leben verstehe ich als Bewährungsprobe, als Etappenziel und das ewige Leben als Endziel. Wenn es kein Leben nach dem Tod gäbe, wäre das jetzige Leben doch letztlich sinnlos. Ich glaube, dass Gottes Güte und das Gute im Leben sich irgendwann durchsetzen werden. Als ich wieder gesund war, riefen die Pflicht, mein Verantwortungsbewusstsein und die Vertragserfüllung als Fußballtrainer. Ich habe viel zu früh wieder auf dem Platz gestanden, aber ich wusste, mit Gottvertrauen und gesundem Selbstbewusstsein kann ich es wieder schaffen.“

Dieser Text erschien zuerst in: Günther Klempnauer: „Keiner kommt an Gott vorbei. Fußball-Legenden über Glaube, Liebe, Hoffnung“, St. Benno Verlag, 232 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 9783746251752



Zum Anfang

Blutgrätsche, Tiefschlag, Bodycheck.
Unfair, unsportlich, ungerecht. Wenn etwas auf dem Spiel steht, bleibt das Fairplay auf der Strecke.

Was trägt, wenn die eigenen Füße nicht mehr tragen? Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, wenn Verletzungen den Alltag prägen und der letzte Sieg schon lange zurück liegt:

Gott ist da. In Sieg und Niederlage. Er sagt:

Du bist wertvoll. Egal ob du gewinnst oder verlierst.


Übrigens: Die gelbe und rote Karte können Sie bestellen – zum Beispiel zum Verteilen bei einem Gottesdienst. Eine kurze Nachricht genügt: An info@kep.de oder 06441 915 151.


Zum Anfang

Teilen Sie sie gerne auf Facebook, Twitter oder versenden Sie den Link an Ihre Freunde, Bekannten oder machen Sie in Ihrer Gemeinde oder Jugend- oder Hauskreis darauf aufmerksam.

Das Christliche Medienmagazin pro erscheint tagesaktuell online und sechs Mal im Jahr als gedrucktes Heft – kostenlos. Hier können Sie die pro bestellen.

Wir finanzieren uns fast ausschließlich durch freiwillige Spenden – und freuen uns, wenn Sie unser Anliegen unterstützen: Jetzt spenden.

Zum Anfang

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden